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Chronik und Geschichtliches

der Sebastianer

Chronik und Geschichtliches

Irgendwann im frühen Mittelalter gegründet, später öfter verboten, ist die St. Sebastianus Schützenbruderschaft die einzige der vielen Bruderschaften Brühls aus dem Mittelalter, die Krisen, Kriege und Katastrophen überlebte. Erstmals erwähnt wurde die Bruderschaft im Jahre 1442. Die älteste Erwähnung der „broederschaft var deme broill“ fand der Brühler Heimatforscher Fritz Wündisch im Lehnsregister des Vochemer Frohnhofs von 1442, das im Archiv der Stadt Köln aufbewahrt wird. Jahresabrechnungen einer „Sannt Sebastiania Broderschaft“ aus 1514 bis 1691 gibt es in der Kirche St. Margareta.

Es gibt kaum eine zweite Bruderschaft im Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften, die auf so viele prominente Mitglieder hinweisen kann wie die Brühler Sebastianus Bruderschaft. So ließen sich fast alle Kölner Kurfürsten in die Bruderschaft aufnehmen. Nach Aussagen von Fritz Wündisch waren die Kurfürst-Erzbischöfe von Köln zumindest seit Ruprecht von der Pfalz (1463 bis 1489) Oberprotectoren der "löblichen" Sebastianus Schützenbruderschaft zu Brühl. Und fast jeder Kurfürst war bemüht, wenigstens einmal in seinem Leben Schützenkönig zu werden. Kurfürst Clemens-August hat zwar seinen kurfürstlichen Bruder Karl Albert von Bayern zum Deutschen Kaiser Karl VI gekrönt, war selbst aber auch der erst Kaiser der Sebastianer. Er war fünfmal Schützenkönig und zwar 1725, 1729, 1730, 1734 und 1735.

Wie mag es wohl geklungen haben, wenn der Schützenmeister seinen hochwürdigsten und durchlauchtigsten Fürsten und Herrn gebeten hat, draußen auf dem Vogelstand den ersten Schuss abzugeben? Vielleicht so: „Wir betrachten es als eine kurfürstliche Gnade, dass seine kurfürstliche Durchlaucht uns heute beehren wollen, und wir möchten wünschen, dass es eine vorzügliche Freude für den allergnädigsten Herrn sein wird, mit gnädigster eigener Hand Anno 1725 am Vogelschießen der löblichen Bruderschaft Santi Sebastiani allhier von em Broill teilzunehmen, und es ihm gelingen möge, den Vogel samt dem Kopfe, den beiden Flügeln und dem Sterze durch ihren gnädigsten durchlauchtigsten Schuss zu Fall zu bringen". Jedenfalls muss es ihm gelungen sein, sonst würde nicht die alte Schützenkette fünfmal mit seinem Schild geziert sein.

Während der Regierungszeit von Clemens August hatte die Bruderschaft die meisten Mitglieder in ihren Reihen, durch deren Adern blaues Blut floss. Jeder, der sich beim Fürsten einschmeicheln wollte, musste der Bruderschaft beitreten, Prinzen, Feldherren, Grafen, Kammerherren, Freiherren und Gesandte. Das älteste Königsschild stammt vom Kurfürst Johann Gebhard von Manfeld (1562 bis 1588). Ernst von Bayern (1589 bis 1612) war gleich zweimal Schützenkönig. Josef Clemens, Onkel und Vorgänger von Clemens August (1688 bis 1723), ließ sich erst am 26. Mai 1720 in die Bruderschaft aufnehmen. Dagegen trat Clemens Augusts Nachfolger Max Friedrich von Königsegg bald nach seiner Amtsübernahme den Schützen bei, ebenfalls sein Bruder, der kaiserliche Generalfeldmarschall Christian Graf von Königsegg.

Da seit Clemens Augusts lustigen Zeiten die Stadtkasse leer war, beschloss der Stadtrat 1788 die Aufhebung der St. Sebastianus Schützenbruderschaft, um mit dem Vermögen die Stadtkasse aufzubessern, denn der Stadt ging es damals noch schlechter als den Schützen. Nach Ratsprotokollen wurden abgeliefert: "150 Reichstaler in bar, 150 Reichstaler in Schuldscheinen, eine silberne Schützenkette, woran zwei silberne Vögel, eine silberne vergoldete Medaille von Clemens August, zwei große doppelt vergoldete Schilder von Kurfürst Max Friedrich, 50 silberne kleine und große Schilder in Summe 4 ½ Pfund schwer". Die Sebastianer ihrerseits stellten daraufhin grollend ihre Vereinstätigkeit ein.

Die Bruderschaft hat den Zusammenbruch des Kurstaates, Wirtschaftskrisen, das Verbot während der französischen Besetzung sowie die von den Nazis verordnete Umbenennung in Schützenverein gut überstanden.

Ab 1945 leiteten Josef Blied und Jakob Klug den Neuaufbau ein. Unter dem Vorsitzenden Toni Wolsing (1961-1990) und Präses Oberpfarrer Philipp Lehnen (1968-1999) erlebte die Bruderschaft eine neue Blütezeit. Von 1990 bis 2015 war Wolfgang Poschmann als Vorsitzender an der Spitze der Sebastianer. Seit 2015 ist Frank Pohl unser neuer Vorsitzender der Bruderschaft.Unser Präses ist zur Zeit Pfarrer Jochen Thull von St. Margareta Brühl.

 

Diese Chronik wurde von unserem Ehrenbrudermeister Karl Mähler erstellt.

Foto: Privat